Künstliche Intelligenz Made in Germany

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Künstliche Intelligenz Made in Germany

Im Porträt: CEO Lana Labs Karina Buschsieweke

Von der Möbelmanufaktur zur Prozessoptimierer

Nur 15 Prozent der Start-ups in Deutschland werden von Frauen gegründet. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat daher im Jahr 2017 die Initiative “Unternehmerinnen im Fokus” (#StarkeFrauenStarkeWirtschaft) ins Leben gerufen: unter den Gründerinnen die Innovationsmanagerin Karina Buschsieweke. Sie ist Mitgründerin und Geschäftsführerin des Unternehmens Lana Labs. Das Start-up mit dem Pinguin-Logo verspricht effizientere und nachhaltigere Prozesse mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI).

Wie sauber und effizient sind die Prozesse in Ihrem Unternehmen? Wie messen Sie Effizienz überhaupt? Wie viele Ressourcen verbrauchen Sie, obwohl Sie es gar nicht müssten? Lana Labs kann Ihnen mithilfe von quantitativen Analysen bei der Optimierung Ihrer Arbeitsabläufe helfen. Ihre Machine Learning -Algorithmen erfassen systematisch Prozessabweichungen, zeigen Verbesserungspotenziale auf und visualisieren sonst schwer greifbare Kennziffern.

Die Gründerin

Buschsieweke studierte Anthropologie und Wirtschaftswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. In ihrem Masterstudium an der Technischen Universität Berlin spezialisierte sie sich auf Innovation Management und Entrepreneurship. Die Ostwestfälin ist in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen und träumte schon früh vom Gründen.

Für mich steht Gründen für Selbstverwirklichung.

Ihr Großvater gründete 1973 das Familienunternehmen “Möbelwerkstätten Buschsieweke”. Auch Buschsieweke machte später einen Abstecher in das Einrichtungsgeschäft nehmen: Noch während Ihres Studiums, im Jahr 2013, gründete Buschsieweke die Premium-Möbelmarke MBzwo, die in ihrem Online-Shop maßgefertigte Massivholztische anbietet. Das Unternehmen entstand aus der Idee, iPad-Halterungen aus den Holzresten der Möbelproduktion herzustellen. Schon damals ging es der Unternehmerin um Nachhaltigkeit. Die Idee für die Tische nach Maß entwickelte sich nach und nach. In einen Showroom in Kreuzberg stellten Buschsieweke und ihr MBzwo-Mitgründer Johann Ehlhardt einige Stücke aus. So sollten die Kunden ein Gefühl für die Holzarbeiten bekommen, bevor sie selbst einen Tisch in Auftrag geben. Mittlerweile ist MBzwo an die Berliner Rummelsbucht gezogen.

Nach ihrem Abschluss war die Ökonomin außerdem als Technologieanalystin bei der npro Innvationsgesellschaft für fortgeschrittene Produktionssysteme in der Fahrzeugindustrie beschäftigt — ein Gemeinschaftsunternehmen von Volkswagen, Siemens und SABIC.

Die Anfänge

Auf einem Entrepreneurship Workshop der School of Design Thinking des Hasso-Plattner-Instituts im September 2015 traf Buschsieweke auf ihre Mitgründer Thomas Baier und Rami-Habib Eid-Sabbagh. Beide promovierten am Business Process Technology Lehrstuhl des Instituts.

Davor hat Thomas schon einige Jahre als Prozess Analyst gearbeitet und sich angesichts der aufwendigen, manuellen Analysen ein Tool wie LANA immer gewünscht.

Die zwei Doktoranden haben das System hinter der Software entwickelt und die neusten Erkenntnisse der Process Mining-Forschung eingebracht, mit dem Ziel:

Unternehmen durch die automatisierte Prozessanalyse intelligenter, effizienter und schneller zu machen.

Process Mining ist eine Disziplin, die sich aus Workflow-Management, Geschäftsprozessmodellierung und Data Mining zusammensetzt. Das System arbeitet mit Log-Daten, die automatisch von den IT-System des jeweiligen Unternehmens ausgelöst werden. Wann fährt ein Transporter los? Wann checkt ein Mitarbeiter in die Produktionsstätte ein? In welcher Geschwindigkeit laufen die Maschinen? Das alles sind Prozessdaten, die sonst händisch zusammengetragen werden müssen. Dieser Schritt entfällt. Aus den Log-Daten wird ein Ist-Modell der Prozesse erstellt und mit dem Ideal-Prozess abgeglichen.

Mit unserem automatisierten Soll-Ist Abgleich von Geschäftsprozessen können Unternehmen Fehler, Audit-Risiken und Einsparpotentiale in Prozessen effizient aufdecken.

Die Prozesserkennung, -Analyse und -Optimierung werden durch Machine LearningAlgorithmen realisiert. Durch eine ansprechende Visualisierung werden die Prozessstrukturen veranschaulicht und transparent gemacht. Das junge Team bewarb sich mit ihrem Konzept beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf ein EXIST-Gründerstipendium und konnte mit den gewonnen finanziellen Mitteln im Januar 2016 Lana Labs aus dem Institut ausgründen.

Der Aufstieg

Buschsieweke war schon immer der Ansicht, man müsse schnellstmöglich einen Prototyp erstellen und dürfe die Kundenakquise nicht verschlafen. Am besten solle man bereits an Kunden herantreten, bevor das Produkt existiert. Genau diesen Weg ging die Geschäftsführerin mit Ihren Prozess-Mining-Start-up.

Bereits 2016 zeigten Lana Labs ihren ersten Prototyp auf der Cebit in Hannover und auf der SAP Sapphire Konferenz in Orlando, Florida. Das junge Unternehmen führte mehrere Pilotprojekte mit potentiellen Kunden durch. Dabei hat das Start-up vor allem die Chemie- und Pharmabranche, Krankenhäuser, Banken, Produktion, Handel und Telekommunikation im Blick. Buschsieweke denkt, dass sich die Qualität einiger Prozesse anhand von branchenspezifischen Benchmarks analysieren lässt. Lana Labs setzt auf offene Schnittstellen, was sie neben dem Sektorenbezug gegenüber anderen Prozessoptimierern, wie dem Münchner Softwareunternehmen Celonis, hervorhebt.

Zu den deutschen Kunden gehören bereits heute große Namen wie Telefónica oder die Berliner Wasserbetriebe. Lana Labs hat außerdem ein großes Partnernetzwerk aufgebaut. Lana Labs arbeitet mit namhaften Beratungen, Hochschulen, IT-Experten und Schulungsanbieter zusammen.

Im Jahr 2018 trat das Start-up als Gewinner des German Accelerator Tech Programms hervor, welches vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Das Programm unterstützt deutsche Unternehmen beim Eintritt in den amerikanischen Markt. Sie erhalten Büroflächen an attraktiven amerikanischen Standorten, Unterstützung von Mentoren und Kontakte für den Netzwerkaufbau. Im Januar 2018 legten die Tech-Investoren Capnamic Ventures und WestTech Ventrues sowie die Commerzbank-Tochter Main Incubator mehrere Millionen bei Lana Labs an.

Bei der Prozessoptimierung geht es Buschsieweke vor allem um eins — Nachhaltigkeit.

Unser Anspruch ist es, mit LANA Process Mining die Welt jeden Tag ein Stück besser zu machen.

Wer Ressourcen optimiert, verbraucht auch weniger davon. Eine Studie von IBM zeigt, dass jedes Jahr weltweit rund 50 Billionen US-Dollar durch Ineffizienz verschwendet werden. Um seine Werte zu verdeutlichen, hat das Unternehmen einen Clou für Kunden und Mitarbeiter.

Für jede Lizenz, die ein Kunde bei uns kauft, bekommt er eine Patenschaft für einen Pinguin in einer Kolonie in Süd-Chile.

Bei den adoptierten Pinguinen handelt es sich um die vom Aussterben bedrohten Magellan-Pinguine. Bei Nachfragen zum Fünfjahresplan des Unternehmens scherzt die Geschäftsführerin oft, dass sie mit ihrem gesamten Team ihre Pinguine besuchen möchte.

Wir wollen natürlich Process Mining als vielversprechende Prozessanalysetechnik noch sehr viel bekannter machen und LANA auch international vermarkten. In fünf Jahren sehen wir uns als einen der führenden Anbieter für Business-Analytics-Software in Deutschland.

Über das Unternehmen:

  • Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam.
  • Nutzt Machine Learning Algorithmen und Process Mining für effizientere und nachhaltigere Prozesse
  • setzt auf offene Schnittstellen und bietet branchenspezifische Prozessoptimierung

Autorin: Sarah Kolberg

Sarah Kolberg ist Redakteurin bei fintechcube und hat sich in ihrer bisherigen Laufbahn vor allem mit der digitalen Transformation im Public Sector beschäftigt.